Gorbatschow: Ohne Chance, sein Werk zu vollenden bleibt er einer der größten Reformer der Geschichte

Nachruf von Erich G. Fritz, Vizepräsident der Auslandsgesellschaft.de, 30.8.2022

Es ist keine Nostalgie, wenn ich in Sichtweite meines Schreibtisches immer noch den Helm liegen habe, den alle Besucher bei Michail Gorbatschows Besuch auf der Westfalenhütte in Dortmund tragen mussten. Voll Stolz auf den Erfolg von Werner Nass und vielen Mitstreitern vereinigen sich dort  die Signets seines Besuchs und der Name des Unternehmens, dem er einen Besuch abstattete. Dieser 15. Juni 1989 war auch für die Auslandsgesellschaft ein denkwürdiger Tag. Endlich, so schien es, könnten die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion auf offene Weise entwickelt, vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut und eine gemeinsame friedliche Zukunft zwischen den Blöcken möglich werden.

Heute ist das Bild dieses Mannes in einem der Nachfolgestaaten der Sowjetunion, in Russland bis zur Unkenntlichkeit verfälscht. Er gilt in der offiziellen Lesart und in den Augen vieler Russen als der Zerstörer der Sowjetunion. Das Gegenteil ist richtig. Er hat nicht nur – wie viele Funktionäre – erkannt, dass die Sowjetunion am Ende war und ihre geistigen und ökonomischen Ressourcen verkommen ließ. Er hatte den Willen und die Kraft, daraus einen Zukunftsentwurf zu machen, die Menschen mitzunehmen und mutige Reformvorschläge zu machen. Er wollte aus der stagnierenden Sowjetmacht eine offen, zukunftsfähige und kooperationsbereite Macht entstehen lassen, die ihren Bewohnern Partizipationsmöglichkeiten anbot, ihnen Freiheit ermöglichte und den Umbau von Staat und Gesellschaft, eine Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten und gleichberechtigte Partnerschaft mit der Welt versprach.

Er hatte keine Chance, diese Vorstellungen umzusetzen. Nicht, weil er alles zerstört hätte, sondern weil andere diesen Weg nicht mitgehen wollten. Darin waren sich die alten Eliten, der KGB und die drei Herren einig, die schließlich das Land zerrissen haben: Gorbatschow durfte keinen Erfolg haben.

Zerstört haben die  Sowjetunion und ihre Transformationsmöglichkeiten andere. Als sich  Jelzin, der mittlerweile das  Präsidentenamt in Russland eingeführt hatte (17. April 1991) sich  mit den Präsidenten der Ukraine und Belarus', Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch, am 8. Dezember 1991 in Belawesschkaja Puschtscha traf, erklärten sie die Auflösung der UdSSR für bereits vollzogen. Sie wollten selbst Zaren sein.

Wenn heute in Russland Gorbatschow verdammt wird und Jelzin totgeschwiegen, so dient das einem Geschichtsbild, das die Wiederkehr der Diktatur mit sich bringt. Jelzins Politik hat zuerst den Weg frei gemacht für die Plünderung der Reichtümer des Landes und hat dann die Macht den Räubern überlassen. Als nichts mehr zu retten war, die Menschen verarmt waren, die Arbeiter ohne Löhne nachhause gingen und Rentner verhungerten, hat er über die Weitergabe der Macht an Putin Russland wieder dem KGB überlassen.

Das Ergebnis, ein Russland, das den Weg der Gewalt geht, die Rechte der Menschen verletzt und seine Zukunftschancen verspielt, ist jedenfalls das Gegenteil dessen, was Gorbatschow sich für die Bewohner des großen europäischen Landes vorgestellt hatte.

Nicht nur in Dortmund denken in diesen Tagen viele Menschen mit Respekt und positiven Gefühlen an den ersten und letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Besonders die Völker Mitteleuropas und besonders das geeinte Deutschland verdanken ihm dreißig Jahre friedlicher Entwicklung und wachsenden Wohlstand und soziale Sicherheit, Verlässlichkeit der politischen Grundlagen. Freilich müssen dazu die Menschen auch selbst viel tun, und sie haben es getan in Polen, in der DDR und in ganz Deutschland sowie in der heute zur Europäischen Union gehörenden Staatenfamilie. Aber ohne Gorbatschow wäre das alles noch für lange Zeit ein Traum geblieben.

Ihm gehören zu Recht die Herzen vieler Menschen bei uns, er hat zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten und er wird in unserer Erinnerung bleiben.

Austausch + High-School: Gastfamilien und Schüler_innen berichten

Seit 1978 bestehen der Deutsch-Amerikanische Jugendaustausch Dortmund-Buffalo sowie das 4-monatige High-School-Programm in Buffalo.
Auf dem Blog Sister-City-Exchange-Programm berichten zahlreiche Gastfamilien und Schüler_innen über ihre Erfahrung. Schauen Sie rein!


Europäischer Freiwilligendienst

Austausch von Europäischen Freiwilligen – Dortmund und Amiens gehen neue Wege 
Erstmalig im September 2016 hat die Auslandsgesellschaft zwei europäischen Freiwilligen aus der Region in Dortmunds französische Partnerstadt Amiens entsandt.
Seitdem und bis August 2017 arbeiten David Hinzmann und Julia Wieland als „Minibotschafter_in Dortmunds“ im „Office of Youth“ bzw. im  Rahmen des Projektes „Wohlergehen 2014-2020“ in Amiens. Im Gegenzug ist Florent Walter aus Lille seit November 2016 in Dortmund und unterstützt die Arbeit der Länderkreise und den Bereich Kommunikation. Mit diesem Projekt gehören Dortmund und Amiens zu den wenigen Städten, die die Möglichkeiten des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) für die Belebung der Städtepartnerschaft ausloten.   - Europäische Freiwillige berichten

Studienreisen

Ordnung, Studentenleben und vieles mehr. Lehrer_innen unterwegs zum Dach der Welt 
Ein Bericht von Holm Schüler, Reiseleiter
Peking, Xian, von Xining nach Lhasa in Tibet und Shanghai waren die Stationen der 13tägigen Reise in Kooperation mit dem Schulreferat Recklinghausen. Die Menschenmassen bei der Ankunft auf dem Flughafen Peking, das Schlangestehen, die strengen Kontrollen und die ständigen Reglementierungen durch Ordnungskräfte: das waren die ersten Eindrücke von Beijing, dem Zentrum der Gegenwart, wie die Chinesen ihre Hauptstadt Peking nennen. Weiter

Studienreise nach Boston New York mit Gerald Baars, Leiter der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, ehem. ARD-Korrespondent in New York und Washington, Bericht einer Teilnehmerin – Brücken 2018 Link

Faszinierendes Taiwan, 
Bericht eines Teilnehmers – Brücken 2018 (Link)

Seminare

Europa tut für uns also viel mehr als man denkt!
Studienfahrt nach Straßburg, November 2018
Bericht von Schüler*innen, Gymnasium an der Stenner

Mit Jugendlichen in Brüssel und Straßburg
Berichte der Seminarleitung, Brücken 2018

Refugees Welcome - Weltpolitik und Globalisierung aus der Sicht von Gelüchteten, Bericht der Seminarleiterin, Brücken 2018